LUXUSLÄDEN UNTER KASTANIENKRONEN –

Die Kolonnaden

Hier kauften Kaiserinnen und Königinnen, plauderten Engländer und Franzosen, flanierten Kaufleute und Kurtisanen.

Sie gehören seit 150 Jahren zur Som- merhauptstadt Europas wie Kurhaus, Trinkhalle und Lichtentaler Allee.

Und doch scheinen sie immer ein wenig im Schatten ihrer berühmten Nachbarn zu stehen: die Kolonnaden im Kurgarten. In diesem Jahr feiern die eleganten Geschä e ihren 150. Geburtstag und stehen verdien- termaßen im Mittelpunkt des Interesses.


Dabei ist der berühmte grüne baum- bestandene Wandelgang deutlich älter, denn bereits 1765 hatte Markgraf August Georg begonnen, einen neuen Kurbe- reich vor den Toren der Stadt am linken Ufer der Oos zu errichten. In dessen Mittelpunkt stand ein erstes hölzernes Promenadehaus zur Unterhaltung der Kurgäste. Zeitgleich ließ der Markgraf eine vierreihige Baumallee pflanzen, die


von der Stadt kommend auf das Prome- nadehaus zuführte. Wie die Stützen einer Wandelhalle tragen die in regelmäßigen Abständen angeordneten Stämme das grüne Baumdach des Open-Air-Festsaals. Seit über 250 Jahren beschirmen hier Kastanienbäume die lustwandeln- den Kurgäste, spenden angenehmen Schatten und erfreuen im Mai mit unzähligen Blütenrispen. Geradezu flirrend


ist oft das Licht- und Schattenspiel der Blätter auf Wegen und Wänden.

Da wundert es nicht, dass die Kastanienallee sich schon bald großer Beliebtheit erfreute und auch zahlreiche Händler anlockte. Es war Friedrich Weinbrenner, der große klassizistische Baumeister Badens und Architekt des Baden-Badener Kurhauses, der 1818 die Boutiquen als

einheitlich gestaltete, die Kastanienallee flankierenden „Krämer-Boutiquen“ aus Holz neu entwarf, die ein wenig an Weihnachtsmarktbuden neuerer Zeit erinnerten. Erst 50 Jahre später wurden die Holzboutiquen durch die heutigen Kolonnadengeschä e ersetzt. Carl Dernfeld, der Architekt des Friedrichsbads, gab ihnen von 1867 bis 1868 ihre elegante Form in der Art der Pariser Passagen mit Pfeilern aus Stein in Renaissance-Formen und Arkaden mit gusseisernen Stützen. Hier kau en nun Kaiserinnen und Königinnen, plauderten Engländer und Franzosen, anierten Kau eute und Kurtisanen. Bis heute gehört ein Bummel durch die Kolonnaden zum festen Besuchsprogramm der Gäste aus aller Welt.