25 Jahre NEW POP FESTIVAL

POP AROUND THE CLOCK

Man mag einen Moment lang vergessen, dass Baden-Badens Opernhaus sonst eher Showacts wie das Mariinsky Ballet auf die Bühne holt. Denn wenn der New Pop-Virus Wellen schlägt stehen – so wie jüngst – alle Spots auf Lewis Capaldi, auf The Faim, Mark Foster, Matt Simons oder Lena.


Samtrote Sessel, Stuck und brokatgoldene Liegen. Was hat ein solches Edel-Ambiente mit Justin Jesso oder Freya Ridings zu tun? Und was erwartet die Fans von gepflegter frischer Popmusik am Ende der großen Freitreppe, die ins Herzsstück von Baden-Baden führt?



Das kann nur eines bedeuten: Der SWR hat seine Beziehungen spielen lassen, hat seine Fühler nach dem Sound von Morgen ausgestreckt und die Stadt zugleich sowohl be- als auch entschleunigt.

 

Wie das geht? Einfach mal kräftig in die Hände spucken, dicke Kabelstränge verlegen, von deren Umfang und Länge ein Elektriker auf seiner Baustelle nur träumen kann. Obendrein wird innerhalb kürzester Zeit eine ganze Stadt auf den Kopf gestellt, mit einem roten Teppich belebt und die Straßen kunstvoll beschallt. Nun, das klingt zunächst mal eher stres-

sig. Aber siehe da, der ganze Aufwand lohnt. Zumindest für die Showacts und für die Fans dieses Festivals, das heuer seinen 25. Geburtstag feiern durfte. Ein Vierteljahrhundert Popmusik und noch immer jung.

 

Oder doch alt? Einfach ein bisschen retro vielleicht? Denn nur so lässt sich erklären, dass die ganz Großen von einst bei solchen Anlässen durch die Straßen Baden-Badens schlendern, als sei es das allergrößte Selbstverständnis. Udo Lindenberg eierlikörte etwa einst die Stadt, auch Sasha und Lionel Richie. Beim jüngsten New Pop-Festival waren es die Fanta4, James Blunt und – man höre und staune – Mr. Alice Cooper himself.