UNTERIRDISCH GUT

Ob es wohl zuhause ist, das Phantom der Oper?

Geheimnisvoll ist auch der See, der unter dem Rathaus-Innenhof ruht. Gegeben hat es diesen wohl schon seit Jahrhunderten. Nur geriet er irgendwann in Vergessenheit.Vielleicht hat er auch einfach gestört und verschwand hinter eigens geschaenen Mauern.


Anzuklopfen düre allerdings schwierig sein. Die Tür in den Untergrund zwischen Festspiel-

haus und Mamma Lina besteht aus di- ckem Beton und bendet sich mitten auf der vielbefahrenen Lange Straße.

Unter den schweren Platten führt eine geschwungene Treppe hinab in ein ein- drucksvolles Bauwerk, geschaen aus prächtig gewölbten Klinkerarbeiten. Der kunstvolle Gang führt allerdings keineswegs ins Wohnzimmer des Phantoms. Vielmehr endet der Gang an einem ebenso prächtig gefassten Abwasserkanal. Ein historisch anmutendes Handwaschbecken, ein längst verschwundener Kron- leuchter, der einst an noch immer zu erkennender Stelle von der Decke bau- melte, singt vielmehr das hohe Lied auf die Baukunst, welche vor rund 120 Jahren unter der Erde gepegt wurde.

Die erwähnten Betonplatten sind nicht die einzigen Barrieren, hinter denen sich dicke Kapitel der Baden-Badener Stadtgeschichte verbergen. Unsichtbar für Nichteingeweihte wird manches dieser Geheimnisse folglich wohl auch immer eines bleiben. Andere warten dagegen auf ihre Wiederentdeckung, wie das alte Jesu- itenbad im Rathaus. Dass die Padres, die ehedem einen großen Teil dieses Gebäu-

des vor dem großen Stadtbrand erschu- fen und nach dem Feuer mühevoll erneut auauten, das ermalwasser schätzten, lässt sich alten Dokumenten entnehmen. Man wusste um die Wirkung und man genoss den Luxus, erfuhr Stadtarchi- varin Dagmar Rumpf aus Jahrhunderte alten Unterlagen und ging der Sache auf den Grund. Mit altem Kartenwerk und einer guten Portion Spürsinn machte sie sich auf die Suche und entdeckte tatsäch- lich kürzlich in den Boden eingelassene Wannen, die den Jesuiten einst für ihre Bäder dienten. Dass sie nach wie vor in den unübersichtlichen Räumlichkeiten existierten, war im Laufe der vielen Jahrzehnte untergegangen. Dornröschenartig lange verschollen, fristen sie gegen- wärtig noch ein trauriges Dasein hinter einem Aktenlager. Doch angesichts ihrer geradezu perfekten Lage in Erdgeschoss- höhe und mit Blick auf das angestreb- te Weltkulturerbe wird dies wohl nicht lange so bleiben. Ob und wie sie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, steht gegenwärtig noch nicht fest.

Wirklich imposant sind sie übrigens nicht ausgestattet, wirken eher schlicht, ganz ähnlich der Unterkirche in der Abtei Lichtental, die man bis vor nicht allzu langer Zeit für einen einfachen Kellerraum gehalten hatte.